16.02.2019 | Winzervereinigung Freyburg-Unstrut eG : Generalversammlung

 

Generalversammlung 16. Februar 2019

 

Weiter auf Wachstumskurs

 

Im Wirtschaftsjahr 2017/2018 konnte die Winzervereinigung Freyburg-Unstrut 2,85 Millionen Liter Wein verkaufen. Damit wurde das Rekord-Vorjahresergebnis noch einmal um zwölf Prozent übertroffen. Zugleich legte auch der Umsatz um kräftige elf Prozent zu und nahm damit erstmals in der Geschichte der Genossenschaft die 10-Millionen-Euro-Hürde.

„Anteil an diesem Erfolg haben alle Vertriebssegmente“, freut sich Vorstandsvorsitzender Siegfried Boy anlässlich der Generalversammlung in Freyburg (Unstrut).

So haben sich die Absatzgebiete im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) erweitert, sowohl geografisch als auch durch weitere Handelsketten, die nun auch die Weine und Schaumweine der Winzervereinigung in ihren Regalen anbieten. Erfolgsbeschleuniger seien dabei neue Produkte wie die Secco-Linie, die passgenau für einzelne Handelspartner entwickelt wurde. Hier bewähre sich die langjährige und enge Zusammenarbeit mit dem Vertriebsspezialisten Mack & Schühle, sagt Boy.

 

Daneben stieg auch der Umsatz über die eigenen Absatzwege im Haus. Die Weingalerie hat in dem Wirtschaftsjahr (September 2017 bis August 2018) erstmals mehr als eine Million Euro als Einnahmen in ihren Kassen verbuchen können. Und auch das Online-Geschäft gewinnt an Fahrt. Nach einer Überarbeitung des Shopsystems und gezielter Internetwerbung zog hier der Umsatz gleich um 50 Prozent an. Hier sei aber noch Luft nach oben, kommentiert der Vorstand diese Entwicklung, denn der Anteil solcher Weinverkäufe am Gesamtumsatz liege noch immer unter zwei Prozent.

 

Große Freude bereite auch das ANISIUM. Das Veranstaltungs- und Eventzentrum wurde im Herbst 2017 eröffnet und hat seine Feuertaufe mit Bravour bestanden. Das Konzept gehe auf, zunehmend buchten Reiseveranstalter diesen Ort als attraktive Station bei ihren Saale-Unstrut-Touren, lernten die Genossenschaft und ihre Weine kennen und schätzen. Siegfried Boy: „Das ANISIUM ist wie versprochen ein verlässlicher Ankerpunkt, der die touristische Landkarte rund um das Naumburger UNESCO-Welterbe belebt.“

 

Diese Erfolge schlagen sich auch im ausgezahlten Traubengeld nieder, mit dem die Winzer für ihre Weinbergsarbeit entschädigt werden. Fast 4,5 Millionen Euro sei so an die Genossenschaftsmitglieder ausgezahlt worden, 250.000 Euro mehr als im Vorjahr.

 

Solche glänzenden Absatzzahlen werde das aktuelle Weinjahr aber kaum erreichen können, wertet Geschäftsführer Hans Albrecht Zieger die 2018er Lese aus. Demnach kamen nur 2,4 Millionen Liter Most in die Keller, nach reichlichen Ernten über drei Millionen Liter in den letzten vier Jahren. Allein im Vorjahr verbuchte die Kellermeisterin noch 3,2 Millionen Liter. „Der heiße Sommer forderte seinen Tribut. Doch haben sich Mitglieder professionell auf die Natur eingestellt und ihre Reben nicht allein gelassen. Fachgerechte Erd- und Laubarbeit sowie zusätzliche Wassergaben bescherten uns so sehr gute Qualitäten.“ Die weißen und roten Prädikatsweine glänzten mit Oechsle-Werten um die 100 Grad.

 

Mit solchen wetterbedingten Einflüssen müsse ein Winzer aber leben können, verweist Siegfried Boy auf das jahrtausendealte Zusammenspiel von Natur und Mensch. Schwieriger wäre da die Bewältigung jener Probleme, die die aktuelle demografische Entwicklung der Gesellschaft bereite. So habe die Genossenschaft in den letzten zehn Jahren rund 20 Prozent ihrer Mitglieder verloren. Dabei geht es meist um kleinere Parzellen bis zu fünf Ar (500 Quadratmeter). Etwa ein Drittel der Mitgliedschaft bearbeitet solche Miniflächen. Die befinden sich aber oftmals in exponierter Steillage und prägen das Weinland an Saale, Unstrut, Ilm und den Mansfelder Seen. Oftmals haben diese Kleinstwinzer innerhalb der Familie keine Nachfolger gefunden, trotz ihrer großen Naturnähe. „Aber sie ist eben auch mit erheblicher körperlicher Arbeit und nicht wenig Bürokratie verbunden.“ Davor scheuten sich offenbar viele junge Menschen.

 

In den nächsten Jahren werde sich dieser Prozess fortsetzen, ist der Vorstandsvorsitzende überzeugt. Und das könnte die Zukunftsfähigkeit der Genossenschaft gefährden, da Mitgliederrückgang immer auch Flächenrückgang bedeute. Wenn sich der Trend so fortsetze, rechnet Boy vor, dann verliere die Winzervereinigung bis 2030 weitere 40 bis 50 Hektar. „Das lässt sich nicht durch neue Rebrechte innerhalb des Anbaugebietes kompensieren. Da müssen wir andere, neue Wege gehen!“

 

Deshalb wurde eine Satzungsänderung angestrebt, um künftig auch Winzern außerhalb des Anbaugebietes Saale-Unstrut eine Mitgliedschaft in der Genossenschaft zu ermöglichen. Dieser Antrag fand nicht die qualifizierte Mehrheit (drei Viertel der abgegebenen Stimmen) der Generalversammlung. Da sowohl der Geschäftsführer als auch der Aufsichtsratsvorsitzende an einem Weinbaubetrieb in Sachsen beteiligt sind, muss in den nächsten Wochen nun über genossenschaftsrechtliche Folgen entschieden werden.