20.12.2019 | Stadtmuseum Halle : Stadtmuseum Newsletter Dezember

 

Newsletter Stadtmuseum Halle
Dezember

 

1.    Und das nicht nur zur Winterszeit…

…nein, auch im Sommer, wenn es nicht schneit, sang der legendäre Straßenmusiker Reinhold Lohse Weihnachtslieder und begleitete sich dabei auf einer Zither. Die Stadt Halle setzte dem geistig beeinträchtigten Mann ein Denkmal. Der Bildhauer Wolfgang Dreysse gestaltete zwei Bronzefiguren, die seitdem einen kleinen Brunnen in der Leipziger Straße schmücken.In der Ausstellung „Geschichten, die fehlen…“ ist u. a. ein Gipsmodell von einer dieser Brunnenfiguren zu sehen.

 

2.    Preisgekrönte Wackelei

„Bitte sitzen Sie vorsichtig Probe!“ Mit dieser Warnung mussten fünf harmlos herumstehende Plastikstühle ausgestattet werden. Die haben es in sich, dass es nur so wackelt, schmerzt und vor allem verunsichert. Die Designstudentinnen Gina Hartig und Martha Sophie Kikowatz haben dafür beim diesjährigen Designerpreis der halleschen Kunsthochschule Burg Giebichenstein den Sonderpreis des Stadtmuseums Halle bekommen.

 

3.    "Schon immer ein Krüppel"

Der querschnittsgelähmte Benjamin Schmidt liest am 21. Januar 2020 aus seinem autobiografischen Roman.

 

4.    Was mich behindert!

Aus dem ungewöhnlichen Gästebuch einer ungewöhnlichen Ausstellung

 

1. Und das nicht nur zur Winterszeit…

 

Zither Reinholdnein, auch im Sommer, wenn es nicht schneit, sang der legendäre Straßenmusiker Reinhold Lohse Weihnachtslieder und begleitete sich dabei auf einer Zither. Das Instrument balancierte er auf spitzen Knien, wenn der 1878 geborene Hallenser in den Hauseingängen rund um den Markt kauerte. Als Zither-Reinhold ging er in die Stadtgeschichte ein. Eine Typhus-Erkrankung in den Kinderjahren hinterließ geistige Schäden, die Reinhold Lohse bis ins hohe Alter beeinträchtigten.
Die Hallenser begegneten ihm vielfach mit Sympathie, oft aber war er durch seine Beeinträchtigung auch Zielscheibe gehässigen Spotts und bösem Übermuts. So zerstörten Kinder seine Drehorgel, mit der er schon seit den 30er Jahren seinen Unterhalt verdiente. Mit der Zither dann spielte er zu allen Jahreszeiten Schlager, Volks- und Kirchenlieder und eben auch weihnachtliche Weisen. Bis 1964, da erfasste eine Straßenbahn den 86-jährigen Mann. An den Unfallfolgen starb Reinhold Lohse. Auf dem Gertraudenfriedhof fand er seine letzte Ruhestätte.
Die Stadt Halle setzte ihm 2002 ein Denkmal. Der Bildhauer und BURG-Professor Wolfgang Dreysse gestaltete zwei Bronzefiguren, die seitdem einen kleinen Brunnen in der Leipziger Straße schmücken.
In der Ausstellung „Geschichten, die fehlen…“ ist u. a. ein Gipsmodell von einer dieser Brunnenfiguren zu sehen.

(Foto: Thomas Ziegler)


2. Preisgekrönte Wackelei

 

Stuehle Web„Bitte sitzen Sie vorsichtig Probe!“ Diese Warnung begleitet die neuen Objekte in der Ausstellung „Geschichten, die fehlen…“ im Stadtmuseum Halle nicht von ungefähr. Denn die beiden Designstudentinnen Gina Hartig und Martha Sophie Kikowatz von der halleschen Kunsthochschule haben die so harmlos herumstehenden Sitzgelegenheiten mit überraschenden Barrieren ausgestattet, dass es nur so wackelt und schmerzt und vor allem verunsichert. Durch Deformieren und Modifizieren wurden die allseits bekannten Plastikstühle so verändert, dass das Sitzen zu einem unbequemen, wenngleich auch exklusiven Erlebnis wird. Sie behindern bei der Nutzung nicht nur physisch, sondern auch psychisch. So sollen diese Stühle „die Aufmerksamkeit auf die Komplexität unseres selbstverständlichen Verhältnisses zu Alltagsobjekten lenken“, beschreiben die Künstlerinnen ihre Ambitionen.
Diese Arbeit wurde beim diesjährigen Designpreis der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle mit dem Sonderpreis des Stadtmuseums Halle ausgezeichnet. Die Stühle wurden nun in die laufende Sonderausstellung eingebunden und sind bis zum Finale im Mai 2020 nicht nur zu sehen, sondern auch zu auszuprobieren, aber eben mit größter Vorsicht.

(Foto: Thomas Ziegler)

 

3. "Schon immer ein Krüppel"

 

Unter diesem provozierenden Titel hat Benjamin Schmidt seine Erfahrungen in einem autobiografischen Roman verpackt. Dort erzählt der querschnittsgelähmte Autor mit schonungsloser Offenheit, aber auch bissigem Humor über sein Leben. Am 21. Januar 2020 liest Benjamin Schmidt um 18 Uhr im Stadtmuseum Halle.

 

4. Was mich behindert!

 

In einem ungewöhnlichen Gästebuch werden die Ausstellungsbesucherinnen und -besucher aufgefordert, das niederzuschreiben, was sie persönlich behindert.Nach den ersten drei Wochen sind die Seiten bereits gut gefüllt. Ein Beispiel:
Beim Besuch von Theatern oder Konzerthallen höre ich immer wieder: „Mit dem Hund kommen Sie nicht herein!“ Dabei bin ich als blinder Mensch auf mein Begleittier angewiesen.

Pressebüro Lies
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