11.02.2020 | Stadtmuseum Halle : Newsletter Februar
Schüsse auf den König

 

Am 22. Mai 1850 schießt ein ehemaliger preußischer Garde-Feuerwerker auf seinen König. Max Sefeloge leidet an "Größen- und Verfolgungswahn" und verletzt Friedrich Wilhelm IV. am Arm. Die Krankheit bewahrt den Attentäter vor der Todesstrafe, stattdessen kommt er in die noch junge Königliche Irren Heil- und Pflegeanstalt nach Nietleben bei Halle. Die Sonderausstellung Geschichten, die fehlen… widmet sich im historischen Teil dieser Heil- und Pflegeanstalt. Baupläne, Luftaufnahmen und auch Postkarten ergänzen das Einzelschicksal von Max Sefeloge.

 

Zuwachs für die Ausstellung

 

Die Sonderausstellung Geschichten, die fehlen… wächst weiter. Mit Katharina Kirch kommt hier eine junge Frau aus Merseburg Wort, die sich mit großer Freude an ihre Schulabschlussfahrt erinnert. Die heute 31jährige ist auf den Rollstuhl angewiesen und braucht auch spezielle medizinische Betreuung. Trotz dieser Behinderungen hat sie in der Walldorfschule Halle ihr Abitur abgelegt und sich mit ihren Klassenkameraden aufgemacht zu einer Reise nach Griechenland.

 

Was mich behindert!

 

„Es sind eher die Ratschläge und Bemerkungen anderer Menschen, was ich anders machen sollte, die mich behindert…“
schreibt Maria S., Autistin, in das Gästebuch der Ausstellung.

 


Schüsse auf den König

 

Es ist die Mittagsstunde, als sich König Friedrich Wilhelm IV. anschickt, im Potsdamer Bahnhof in Berlin seinen Salonwagen zu besteigen. Wir schreiben den 22. Mai 1850. Da zerreißt ein Pistolenschuss den gemächlichen Alltag. Am rechten Arm getroffen, sinkt der Monarch zusammen, während Soldaten den Attentäter sofort ergreifen. Es ist der ehemalige Garde-Feuerwerker Max Sefeloge. Größen- und Verfolgungswahn ist dem Endzwanziger bereits in seiner Militärzeit bescheinigt worden, deswegen musste er den Waffenrock ausziehen und den Dienst quittieren. Die Krankheit schützt Selefoge schließlich vor der Todesstrafe. Stattdessen kommt der Attentäter in die noch junge Königliche Irren Heil- und Pflegeanstalt nach Nietleben bei Halle. Dort stirbt er 1859 an Tuberkulose.


Das ist nur ein Schicksal von Tausenden, die mit der Nietlebener Einrichtung verbunden sind. Schon 1830 reiften in Halle Pläne, eine spezielle Einrichtung für psychisch Kranke zu bauen. 1844 zogen dann die ersten Patienten auf dem Bardtschen Weinberg ein. Der große Gebäudekomplex – damals noch vor den Toren der Stadt – setzte seinerzeit Maßstäbe in Deutschland und galt als einer der größten und modernsten seiner Art in Deutschland. Der Bedarf war enorm. Anfangs für 400 Patienten errichtet, verdoppelte sich die Belegung in den nachfolgenden Jahrzehnten. In der für Preußens Zweckbauten so typischen Backstein-Architektur wurden weitere Krankenstationen errichtet, aber auch Sektions- und Arbeitsräume für Ärzte, Werkstätten, ein Gewächshaus, eine Hühnerfarm und eine eigene Wasserversorgung. Doch die Hoffnung am Weinberg wurde durch die Nationalsozialisten jäh beendet. Die schlossen 1935 die Anstalt und integrierten die Gebäude in eine militärische Nachrichtenschule. Die wurde bereits seit 1934 in der direkten Nachbarschaft mit großem Aufwand errichtet.


Die Sonderausstellung Geschichten, die fehlen… widmet sich im historischen Teil dieser Heil- und Pflegeanstalt. Baupläne, Luftaufnahmen und auch Postkarten ergänzen das Einzelschicksal von Max Sefeloge. Einen weiteren Einblick in den Alltag der medizinischen Einrichtung geben u. a. Fotografien, die um 1910 entstanden sind. Auf Glasplatten festgehalten sind dort Szenen aus verschiedenen Werkstätten, in denen Patientinnen und Patienten tätig sind. Sie zeigen aber auch die Telefonzentrale, die in ihrer Zeit modernste Kommunikation ermöglichte. Diese Bilder hat der Heimatforscher Frank Scheer in seinem Vortrag eingebettet, der sich mit der Heil- und Pflegeanstalt Nietleben beschäftigt. 18.2.2020, 18:00 Uhr, Stadtmuseum Halle.


Zuwachs für die Ausstellung

 

Die Sonderausstellung Geschichten, die fehlen… wächst weiter. Mit Katharina Kirch kommt hier eine junge Frau aus Merseburg Wort, die sich mit großer Freude an ihre Schulabschlussfahrt erinnert. Die heute 31jährige ist auf den Rollstuhl angewiesen und braucht auch spezielle medizinische Betreuung. Trotz dieser Behinderungen hat sie in der Walldorfschule Halle ihr Abitur abgelegt und sich mit ihren Klassenkameraden aufgemacht zu einer Reise nach Griechenland. In der Ausstellung zeugt ihr Reisetagebuch von dieser aufregenden Tour durch ein Land, das zwar voller Geschichte, aus Rollstuhlfahrersicht aber eben auch voller Barrieren steckt. Ohne die tatkräftige Mithilfe der ganzen Klasse wäre sie der Antike wohl nie so nah gekommen, ist sich Katharina Kirch sicher.

 

Bei Valeria Sivtsova sind es Bilder, die der 1991 geborenen Frau aus tiefer Verzweiflung helfen. Schwere Gewalterlebnisse prägen ihre Kindheit und haben chronische psychische Spuren hinterlassen. In der Malerei findet sie Ruhe, in den Farben Freude am Leben. Und dieses Lebensgefühl vermittelt sich über ihre Bilder, die bereits in einigen Ausstellungen zu sehen waren.

 

Was mich behindert!

 

In einem ungewöhnlichen Gästebuch werden die Ausstellungsbesucherinnen und -besucher aufgefordert, das niederzuschreiben, was sie persönlich behindert. Unser Beispiel des Monats:
 „Es sind eher die Ratschläge und Bemerkungen anderer Menschen, was ich anders machen sollte, die mich behindert…“
Maria S., Autistin

Pressebüro Lies
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