Damit scheint die Genossenschaft nach dem Frostdesaster noch einmal mit einem Blauen Auge davon gekommen zu sein, doch Keil dämpfte allzu leichtfertigen Optimismus. Denn: Die Branche kämpfe global mit erheblichem Gegenwind. Der Absatzkuchen sei geschrumpft, angetrieben durch verändertes Konsumverhalten und Gesundheitsdebatten. Dadurch sei auch der Wettbewerb der Anbieter größer geworden, Das gelte sowohl für die internationalen, als auch für die nationalen und regionalen Player. Das zeige schon ein Blick in die Weinregale der Supermärkte. „Vor zehn Jahren waren dort die Flaschen von der Winzervereinigung Freyburg-Unstrut fast die einzigen Vertreter aus Saale-Unstrut, jetzt buhlt hier ein gutes Dutzend Mitbewerber aus der Nachbarschaft um die Gunst des Kunden.“
Große Ernte 2025
Nach der mageren Ernte 2024 sind jetzt mit dem Jahrgang 2025 die Tanks und Fässer im Genossenschaftskeller wieder gut gefüllt. Allerdings stelle die Erntemenge von knapp drei Millionen Litern den Vertrieb vor große Herausforderungen. Darauf verwies Hartmut Schreiter, seit Juli 2025 Geschäftsführer der Winzervereinigung Freyburg-Unstrut. Der selbst verkaufte Wein bringe weiterhin die besten Erträge. Dafür steht vor allem die Freyburger Wein-Galerie mit ihren behutsam wachsenden Absatzzahlen. Um den Online-Handel weiter zu befeuern, soll die Wahrnehmbarkeit in den sozialen Medien erhöht werden.
So soll aber auch der Radius des Eigenvertriebs um Berlin/Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern deutlich erweitert werden. Zudem werden die Geschäftsbeziehung zum LEH-Spezialisten Mack & Schühle weiter intensiviert. Doch auch außerhalb der Supermarkt-Regale sollen die Produkte des größten Weinerzeugers Mitteldeutschlands besser präsent sein. Die vergangene Glühweinsaison zeigte schon gute Erfolge und konnte neue Kunden überzeugen. Zudem fruchte die Kooperation mit dem Stadtmarketing Halle, in dessen Räumen ein Minishop eröffnet werden konnte, der sich bereits nach wenigen Wochen bezahlt gemacht habe. „Dazu wurde mit dem SALZGRAFEN-WEIN eine Sonderedition aufgelegt, die sich bestens verkauft und zeigt, wie flexibel unsere Genossenschaft auf Markterfordernisse eingehen kann.“ Sondereditionen sind weiter geplant zum Bauhaus-Jubiläum. Auf der anderen Seite wurde ein unrentables Vinothek-Projekt am Geiseltalsee beendet. Ein Kooperationsvertrag mit dem neuen Betreiber sichert aber der Genossenschaft weiterhin exklusive Präsenz an der Braunsbedraer Marina zu.
Neues Bonitursystem
Doch seien solche Vertriebsaktivitäten nur die Rückseite der Medaille, auf deren Vorderseite eindeutig die Güte der Produkte stehe. Mit dem Blick auf das Sortenspektrum, die bisherigen Erträge, die gelieferten Qualitäten und deren Absatzmöglichkeiten strukturiert die Genossenschaft ihr aktuelles Bonitursystem um. Dessen Wertpunkte sind die Basis für das Traubengeld der Mitglieder. Bislang seien hier die Anreize für Menge größer, als für höhere Mostgewichte. Das soll sich umkehren und zwar zugeschnitten auf die jeweiligen Rebsorten. Das neue System wurde in den letzten Wochen bereits in den Weinbaugemeinden mit den Mitgliedern diskutiert.
Damit einher gehen strategische Sorten-Empfehlungen für Neupflanzungen, um auf veränderte Markt-Nachfrage zu reagieren. Neben bekannten Bukettsorten wie Kerner und Bacchus betrifft das auch pilzwiderstandsfähige Neuzüchtungen (PiWi) wie Sauvignac und Souvignier gris im Weißweinbereich und Spätburgunder, Cabaret noir und Satin noir bei den Roten. Das Nachsehen haben eher die traditionellen Sorten wie Müller-Thurgau, Silvaner, Portugieser und Dornfelder.
Dass sich Qualität bezahlt macht, beweisen auch die zahlreichen Auszeichnungen, die den Weinen von der Freyburger Genossenschaft vor allem bei den Bundesweinprämierungen zu teil werden. Dort finden sich die Vereinigten Winzer aus Mitteldeutschland mit aktuell sechsmal Gold, 19 mal Silber und 14 mal Bronze auch stets unter den Top 100 Weinerzeugern Deutschlands.
Weingalerie im Fokus
Schreiter verwies auf getätigte Investitionen vor allem in eine neue Abfüllanlage und der Generalüberholung der Kartonverpackung. In diesem Jahr stehen u. a. neue Holzfässer auf dem Plan. Vor allem aber sei die Weingalerie im Fokus. Die wurde vor 25 Jahren mit der Erweiterung der Kelleranlagen eingeweiht. Inzwischen haben sich die Ansprüche an solche Verkaufseinrichtungen gründlich gewandelt. Sie sollten nicht nur heller und moderner gestaltet sein, sondern auch Raum für Begegnung, für Kommunikation bieten und so die touristische Anziehungskraft der Region beflügeln. Dazu werden in diesem Jahr die Weichen gestellt.
Die Winzervereinigung Freyburg-Unstrut eG in Zahlen
Gründung: 1934
Mitglieder: rund 300 Genossenschaftsmitglieder
Rebfläche: 390 Hektar, davon 66 Hektar Steillagen (20 Prozent)
Lagerkapazität: rund 6 Millionen Liter
Rebsorten: Weißweine: Riesling, Müller-Thurgau, Weißburgunder,
Grauburgunder, Silvaner, Kerner, Traminer, Scheurebe, Bacchus,
Gutedel, Hölder, Auxerrois, Sauvignon blanc, Souvignier gris, Muscaris
Rotweine: Portugieser, Dornfelder, Spätburgunder, Frühburgunder, Lemberger,
Blauer Zweigelt, André, Regent
Ertrag: 2020: 1.560.000 Liter
2021: 1.900.000 Liter
2022: 2.700.000 Liter
2023: 2.340.000 Liter
2024: 668.000 Liter
2025: 2.800.000 Liter
Marken: Winzervereinigung Freyburg-Unstrut
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